Search

Agilität & was sie mit dem Zusammenleben mit Hunden zutun hat

Agilität im Business ist in aller Munde und ist die Fähigkeit eines Unternehmens das Geschäftsmodell und die Organisation in kurzer Zeit auf neue Marktanforderungen und sich daraus bietenden Chancen auszurichten. Agil sein bedeutet flexibel, anpassungsfähig und gleichzeitig proaktiv und initiativ zu handeln.

Oft langweile ich meine Kolleg*innen auf der Arbeit mit Geschichten über meine Hunde Chilly und Max. Chilly, eine kleine schwarze Terriermischlingshündin aus dem Tierschutz und der grosse neue Familienzuwachs namens Max, eine sture elegante Erscheinung mit 68cm Schulterhöhe. Sie ist eine zur Hasenjagd gezüchtete Galga Espaniol, ein spanischer Windhund. So unterschiedlich die Herkunft und ursprünglich angezüchteten Instinkte meiner beiden Fellkinder auch sind, so unterschiedlich sind sie auch in ihrem Wesen und Verhalten. Beides sind Hunde – doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Chilly klein und haarig, Max gross und von graziöser Figur. Nur schon körperlich muss ich, als pflichtbewusstes Hundemami, Rücksicht auf die jeweiligen Bedürfnisse nehmen.


Während Chilly im Zug in ihrer Tasche schläft muss ich immer darauf achten, dass Max mit ihren langen Beinen nicht allen anderen Zugpassagieren den Weg versperrt oder ihre feuchte Hundeschnauze unter jede Hand schiebt, weil sie unbedingt gestreichelt werden will. Chilly, wie Terrier das so an sich haben, eher in einer arroganten, grössen-wahnsinnigen, selbstbewussten Art und Weise kreuzenden Nachbarshunden lautstark und mit aufgestellten Nackenhaaren klarmacht, dass der Spazierweg ihr gehört, ist Max die Windhündin das pure Gegenteil. Sie nähert sich mit höflicher Vorsicht, ja verneigt sich schon fast vor ihrem Artgenossen und fragt mit klarer Hundesprache nach der Einwilligung in den jeweiligen Individual Space eintreten zu dürfen. Sie fragen sich bestimmt gerade, ob sie sich auf einen Artikel zum Verhalten von unterschiedlichen Hunderassen verirrt haben – keine Angst, der Übergang ins Business folgt sofort .


Beim genaueren Betrachten, hat das Zusammenleben mit Hunden unterschiedlicher Rassen und dem Zusammenleben mit bellenden Vierbeinern viel mit dem Agilen Manifest und den darin beschriebenen Prinzipien zu tun.


Ich bewege mich als Scrum Masterin tagtäglich im agilen Umfeld, hauptsächlich beim Kunden und komme deshalb zwangsläufig immer wieder mit der agilen «Neuen Welt und alten Welt» in Berührung (dieses Mal hat es nichts mit Covid zu tun 😊). Nehmen wir diesen Vergleich als Beispiel: wo «Individuen und Interaktionen» heute enorm wichtig sind, erlebten wir auch in der Hundeerziehung einen starken Wandel in Richtung «Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse & Tools».


Früher lebten die Hunde draussen, Wind und Wetter spielte dabei keine Rolle und bewachten Haus und Hof. Sie gehörten aber keines Falls ins Haus, geschweige denn ins Bett (obwohl sich darüber streiten lässt). Auch wurden sie nicht wie heute, als Familienmitglieder angeschaut. Seit Paris Hiltons Chihuahua tragen unsere Hunde Winter-, Regen-, und Jahreszeitübergangsmäntel.


Damals jedoch, wurden Hunde anhand von klaren Vorgaben/ Erziehungsmethoden (Prozessen*) gemassregelt. Hierfür wurde auch vor entsprechenden Werkzeugen (Tools) keinen Halt gemacht, was heute wohl als Tierquälerei gelten würde. Man kettete die Hunde an Hausmauern oder an Hundehütten, schlug sie wenn Hund nicht Tat was Mensch verlangte oder hielt sie zum Beispiel für die Jagd monatelang in Kellern gefangen ohne richtiges Futter (traditionelle Hasenjagd mit Windhunden in Spanien, ist heute leider noch gang und gäbe).


Das es aber auch unter den Hunden, unterschiedliche Charaktere gibt, zum Beispiel einen berühmt berüchtigten Appenzellerbless, wurde lange ignoriert. Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, weshalb viele «Bauernhunde» nur bellen, anstatt zuzubeissen? Oft aus reiner Unsicherheit. Sind Sie auch schon an einem Bauernhof vorbeigerannt oder spaziert und haben sich jedes Mal über den Kläffer aufgeregt? Oder im Extremfall, Sie haben ihre Joggingroute so gelegt, dass Sie nicht mehr an diesem Bauernhof vorbeimussten? Vielleicht, weil sie selbst Unsicher waren, wie Sie sich in dieser «Hund-bellt-und-rennt-auf-mich-zu-Situation» verhalten sollen?


Um hier nicht komplett den Faden und den Bezug zur Agilität im Business zu verlieren – kennen Sie dieses «bellen» vielleicht auch aus ihrem Arbeitsumfeld? Hinter dem Rücken vom Chef oder anderen Mitarbeiter*innen wird laut gebellt, doch wenn es hart auf hart kommt, wird nicht zugebissen. Woran könnte das nur liegen? Ist es wie beim unsicheren Bless, die nackte Angst? Oder liegt es vielleicht daran, dass sich die Mitarbeitenden von Anfang an nicht wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen oder gar überfordert sind, mit dem was von ihnen verlangt wird? Ist es wirklich die Lösung, das Problem zu ignorieren und wie beim Hofhund, einfach die Joggingroute zu ändern?


In der neuen Welt des agilen Manifests, nehmen wir uns Zeit für den Mitarbeiter. Wir gehen mit ihm in Interaktion, fragen nach wo der Schuh drückt und geben ihm dann die Tools an die Hand, die er braucht und führen den Mitarbeitenden durch den Prozess. Oder aber – wir überarbeiten den Prozess mit ihm so, dass dieser für alle Beteiligten stimmt und einen Mehrwert bringt.


Zurück zu unserem Bless auf dem Bauernhof. Natürlich gibt es Hunde, welche mit der Verantwortung ein Haus bzw. Hof zu beschützten, absolut einverstanden und sogar stolz über diese Aufgabe sind. Doch gibt es eben auch Hunde, welche damit komplett überfordert sind. Diese Überforderung spiegelt sich dann in lautstarkem Bellen, Ohren-an-den-Hals-legen, Zähnefletschen und eingezogenem Schwanz wieder.



Also, seien Sie nicht der Jogger, der die Route ändert. Seien sie der Bauer, der die Situation richtig liest und die Bedürfnisse des Hundes sieht - darauf eingeht und eine Lösung findet, die für Hund, Bauer und Jogger stimmt.


Denn, Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Tools.










* Hundeerziehung kann das als «Prozess» angeschaut werden, wenn es z.B. um Tierschutzhunde geht. Die Ankunft eines Tierschutzhundes aus dem Ausland ist für den Hund sehr anstrengend und er braucht Zeit, die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Die eigentliche «Hundeerziehung» kann somit erst Monate nach dem der Hund eingezogen ist überhaupt beginnen und dauert oftmals zudem länger (Monate, wenn nicht Jahre) als bei einem Hund ohne «Vorgeschichte» von einem seriösen Züchter.


27 views0 comments

Recent Posts

See All

Follow us on Social Media

Twitter_edited.png

mimacom consulting ag

Seilerstrasse 8

CH-3011 Bern

Switzerland

+41 31 329 09 00

mimaconsult@mimacom.com