Definition of Ready, Definition of Done – ist kompliziert? Versprochen, geht auch einfach

Aktualisiert: Aug 29

Die DoD, Definition of Done, wird in der agilen Methode Scrum verwendet, um zu beurteilen, ob ein gewünschtes Lieferobjekt oder Arbeitspaket erledigt und/oder (vollständig/korrekt) umgesetzt worden ist. Ist die DoD nicht erfüllt, so ist auch das Arbeitspaket nicht abgeschlossen.


Neben der DoD gibt es auch die DoR – Definition of Ready. Die DoR hat den Zweck ein Arbeitspaket so vorzubereitet, dass alle von den Entwicklern (Teammitgliedern) benötigten Informationen bekannt sind. So wird sichergestellt, dass ein Entwickler mit der Arbeit beginnen kann.


Hinzu kommen die Akzeptanzkriterien. Anders als bei der DoR & DoD, die für alle anstehenden Arbeiten im Backlog gelten, werden Akzeptanzkriterien zusätzlich individuell für das bevorstehende Arbeitspaket erfasst.


Klingt schon mal recht easy, oder?


In der echten Welt – da draussen, im Dschungel der Softwareentwicklung, stehen/ecken wir damit oft an. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und nimmt weder die DoR noch die DoD richtig ernst, obwohl beide eigentlich ganz schön wichtig sind.


Vor einigen Tag sass ich im Zug auf dem Weg nach Hause und beim Scrollen durch LinkedIn sah ich bei einem Beitrag die Abkürzung DoD. An sich nichts Ungewöhnliches, folge ich doch einigen Personen und Unternehmen, die sich ebenfalls in der IT-Welt bewegen und sich Experten in der Agilität nennen. Doch bei der komplizierten Erklärung der DoD ist mir lustigerweise gleichzeitig eingefallen, dass ich beim nächsten Einkauf in der Stadt endlich eine Vorhangstange kaufen muss, die man im Fensterrahmen einklemmen kann und ich das unbedingt auf die Einkaufsliste schreiben muss, weil…

Sie schweift wieder ab, denken Sie. Nein – tut sie nicht 😊.


Der Abstecher auf die Einkaufslistenstory hat nämlich sogar ganz viel mit der DoD und DoR zu tun. Aber eins nach dem anderen.


Da ich ein strukturierter, routine-liebender Mensch bin, plane ich (bis auf den Toilettengang, obwohl…egal) fast alles. Damit ich also einkaufen gehen kann, brauche ich zum einen Geld, sonst wird das an der Kasse etwas peinlich. Des Weiteren überlege ich mir, was ich für die kommende Woche alles brauche. Hauptsächlich Lebensmittel, ab und an Waschmittel oder auch «ausserordentliche» Sachen wie eine Vorhangstange. Zudem mache ich mir Gedanken, in welche Läden ich gehen muss, damit ich auch alles besorgen kann. Das ist meine DoR und die Akzeptanzkriterien für den wöchentlichen Einkauf.

Dasselbe machen wir auch in unserem Scrum Team wenn wir ein Arbeitspaket (Story) definieren. Wir überlegen uns was wir brauchen, damit wir die Arbeit starten können. Wir brauchen die richtigen Ansprechpartner, falls es Probleme gibt, die Berechtigungen auf den Systemen, natürlich die dafür nötige Kapazität, das Knowhow und so weiter und so fort. Anhand der Akzeptanzkriterien wird mit dem Team, dem Product Owner und dem Scrum Master festgelegt, welche Kriterien der DoD, Definition of Done erreicht worden sind. Sollte auch nur eines dieser Kriterien nicht erfüllt sein, ist das Arbeitspaket nicht abgeschlossen also nicht Done.


Zurück zur Einkaufsliste und meinem bevorstehenden Ausflug in die Stadt. Ich radle mit meinem «Rolls Royce» wie der Schuhmacher um die Ecke immer zu meinem E-Bike sagt, los. Ich hake eines nach dem anderen auf der Liste ab und düse wieder nach Hause. Zuhause angekommen, bemerke ich beim Auspacken, dass ich die Vorhangstange vergessen habe. Ich verdrehe vor meiner eigenen Dussligkeit die Augen. Nun habe ich vier Möglichkeit:

  1. Nochmals in die Stadt fahren und die Vorhangstange besorgen.

  2. Den Punkt abhaken und die Vorhangstange nicht kaufen (vielleicht sogar nie kaufen)

  3. Ich merke, dass ich die Vorhangstange ja eigentlich gar nicht brauche und streiche «Vorhangstange» von der Liste.

  4. Den Punkt offenlassen und beim nächsten Einkauf hoffentlich daran denken.

So. Vielleicht merken Sie bereits, worauf ich hinauswill.

  1. Nochmals in die Stadt ist mühsam und unbequem – aber es wäre erledigt. Jedoch sind die Läden bereits zu (Sprintabschluss, Sprint Review). Option 1 fällt also weg.

  2. Wenn ich Punkt 2 anwende, fühle ich mich nicht befriedigt. Ich habe mir etwas vorgenommen, aber den Punkt nicht umgesetzt. Also bleibt dieses blöde Gefühl in der Magengegend, dass der Einkauf nicht erfolgreich war. (unfertiges Arbeitspaket/ Story entgegen Scrum Theorie abschliessen)

  3. Gut, dass ich mich gegen die Vorhangstange entschieden habe, sie wäre ja trotzdem nur Zuhause rumgestanden und hätte mich jedes Mal beim vorbei gehen genervt. (Umpriorisierung)

  4. Die letzte Option ist zwar nicht abschliessend befriedigend, aber beim nächsten Einkauf werde ich fokussierter sein und wenn nötig sogar noch in einen zweiten Laden gehen, um die Vorhangstange auch wirklich einzukaufen. (Leftover)

Weg von der Vorhangstange, zurück zu unserem agilen Team und der DoD.

Beim Sprintabschluss wird jedes Arbeitspaket überprüft. Bei einem Arbeitspaket sind zwei von drei Akzeptanzkriterien erfüllt. Eines jedoch wurde nicht erreicht. Nun stehen Sie mit ihrem Team und Product Owner vor der Entscheidung, ob sie Option 1, 2, 3 oder 4 wählen. As easy as that.


Vielleicht versuchen Sie (ich/wir) beim nächsten Mal, wenn Sie die DoR, DoD oder Akzeptanzkriterien in ihrem Team erklären müssen, ein einfaches Beispiel wie meines zu nehmen. Warum immer kompliziert, mit Unmengen an Buzzwords und Modeworten um sich werfen, wenn es doch auch ganz einfach geht?


You’re Welcome.

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